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2.2.6 Erfolgskontrolle und Feedback:
  Erfolgreich und konstruktiv rückmelden

„Die fundierte und umfassende Ausbildung und die begleitenden Maßnahmen (Erfolgskontrolle) sollen gewährleisten, dass der Lehrling am Ende der Lehrzeit ein vollwertiger Mitarbeiter für unser Unternehmen ist, der in jeder Abteilung eingesetzt werden kann.“ (aus der Fit for Future Einsendung der UNION & Bank Austria Creditanstalt Versicherung AG, vormals CA-Versicherung AG)

Wie viele andere Einsendungen zum Wettbewerb Fit for Future zeigt auch das Beispiel der UNION & Bank Austria Creditanstalt Versicherung AG, dass österreichische Lehrbetriebe Lernerfolgskontrolle und richtig Rückmeldung geben als wichtige Erfolgskriterien in der Lehrlingsausbildung sehen.

Österreichs Betriebe tun sehr viel, um ihre Ausbilder auch diesbezüglich zu Profis zu machen. Dabei zeigen sie ihren Lehrlingen auch, dass Beurteilung nichts Negatives ist, sondern eine Chance, sich selbst weiterzuentwickeln und den richtigen Weg zu finden. Indem Lehrlinge Rückmeldung über ihre Leistungen erhalten, können aber auch Schlüsselqualifikationen wie zB Selbstreflexion und der Umgang mit Kritik trainiert werden. Die amhäufigsten verwendeten Feedback-Methoden sind dabei Ausbildungsmappen, Mitarbeiter- und Feedbackgespräche sowie Orientierungs- und Karrieregespräche.


AUSBILDUNGSMAPPEN UND AUSBILDUNGSTAGEBÜCHER

Beurteilung muss nicht immer von anderen kommen. Viel früher als in der Schule hat man in der Lehre die Bedeutung der Selbstbeurteilung erkannt. Zu diesem Zweck führen Lehrlinge entweder eine Mappe oder ein Buch, in das sie regelmäßig eintragen, was gelernt wurde. Besonders gut werden Ausbildungsmappen von den Jugendlichen angenommen, wenn sie nicht mehr handschriftlich geführt werden müssen. Deshalb hat zB die Firma OBI ein elektronisches Lernprotokoll eingerichtet, das bei den Lehrlingen wesentlich besser ankommt.


MITEINANDER REDEN: MITARBEITER- UND FEEDBACKGESPRÄCHE

Mitarbeiter- oder Feedbackgespräche werden von vielen österreichischen Lehrbetrieben, wie zB der
Eurogast Sinnesberger GmbH (Gastronomie-Zustellgroßhandel), der XXXLutz GmbH oder REHAU Polymer Industrie GmbH (Systemhersteller) eingesetzt. Die Pollmann Austria OHG (Metall- und Kunststoffverarbeitung) veranstaltet zB so genannte Lehrlingsgesprächsrunden, bei denen es darum geht, die Rollensichtweise von Lehrlingen und Mitarbeitern auszutauschen und herauszufinden, wie sie einander sehen.

Wie oft Gespräche mit den Lehrlingen stattfinden, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Bei der Lagermax Lagerhaus und Speditions AG werden zB halbjährlich ausführliche Feedbackgespräche geführt, Unternehmen wie Starlinger und Co GmbH (Maschinenherstellung) oder Goodyear Dunlop Tires Austria GmbH führen Beurteilungsgespräche jeweils vor dem Wechsel in eine andere Abteilung durch. Bei der Collini GmbH erhalten die Lehrlinge jeden Freitag Ausbildungsfeedback.

Als Leitfaden für das Gespräch werden meist separate Frage- und Beurteilungsbögen in Form von Checklisten verwendet. Ein besonders gelungenes Beispiel für eine Checkliste ist jene der Firma SPAR Österreichische Warenhandels-AG (--> 2.3.3).

Die Checkliste ist aber meist nur Grundlage und Ausgangspunkt für das Mitarbeitergespräch. Im Gespräch selbst werden mit dem Lehrling gemeinsam die neuen Ziele und der weitere Verlauf der Ausbildung vereinbart. Wichtig ist, dass die Lehrlinge auch ihren eigenen Standpunkt und ihre persönlichen Vorstellungen mitteilen können. Das hebt die Motivation und auch die Akzeptanz neuer Zielvereinbarungen.
Hinweis: Tipps für „Erfolgreich Feedback geben“ --> 2.3.5


RÜCKMELDUNG DER LEHRLINGE: DAS BESTE FEEDBACK FÜR DEN BETRIEB

Um auch Feedback von den Lehrlingen zu erhalten, führen viele Lehrbetriebe , wie zB die Richter Pharma AG (--> 2.3.3) in regelmäßigen Abständen Befragungen zur Zufriedenheit ihrer Lehrlinge mit der Ausbildung durch.


EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT: DAS ORIENTIERUNGS- UND KARRIEREGESPRÄCH

Die Lehre wird in Österreichs Betrieben als gutes Fundament einer erfolgreichen Berufslaufbahn gesehen. Bereits während der Lehre sollte aber überlegt werden, wie auf diesem Fundament weiter gebaut werden kann. Viele Unternehmen führen dazu Orientierungs- bzw. Karrieregespräche durch.

 
 

Die BAWAG P.S.K. Gruppe zB führt Orientierungsgespräche mit den Lehrlingen des dritten Lehrjahres
durch und startet das Gespräch mit einem Rückblick auf das letzte Ausbildungsjahr. Erfolge und Probleme werden schriftlich notiert und begründet („gut, weil... bzw. weniger gut, weil...“). Danach wird anhand eines Fragebogens ein Mitarbeiterprofil entwickelt, bei dem Stärken und Entwicklungsfelder eingeschätzt und anschließend zusammengefasst werden:

Was sind die persönlichen/fachlichen Ziele für die Zukunft?
Wie sehen Sie Ihren Aufgabenbereich im kommenden Arbeitsjahr?
Sind die notwendigen Fähigkeiten/Wissen und Kompetenzen dafür
vorhanden bzw. was ist noch aufzubauen?
Hinweis: Mehr zum Thema „Karriere mit Lehre“ --> Erfolgsfaktor 9