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3.2.2 Schlüsselqualifikationen: Unverzichtbar für den beruflichen Erfolg

ABBILDUNG 2: Übersicht über wichtige Schlüsselqualifikationen

„Die Mitarbeiter sind das entscheidende Profilierungsinstrument. Alles andere kann der Wettbewerb kopieren.“ (aus der Fit for Future Einsendung der WIBERG GmbH, Hersteller von Gewürzen und Kräutern)

Der Standpunkt der Firma WIBERG wird auch von den anderen Fit for Future Teilnehmern geteilt. Unsere Lehrbetriebe sind bemüht, „ihren“ Mädchen und Burschen die beste Ausbildung mitzugeben.Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen ist neben der fachlichen Ausbildung dabei das zweite Standbein der modernen Lehre. Sie ist daher auch Bestandteil jeder neuen Ausbildungsordnung. Wie die folgenden Beispiele (--> aber auch Erfolgsfaktor 2) zeigen, bieten Betriebe weit mehr, als im Berufsbild vorgesehen ist.

„Wir benötigen im Betrieb qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die vielseitige Fähigkeiten aufweisen. Neben Fachwissen brauchen sie auch Soft Skills. Das heißt, wir investieren in die Persönlichkeit, den Selbstwert, die Teamfähigkeit, die Konfliktfähigkeit ...“ (aus der Fit for Future Einsendung der Collini GmbH, Metallveredelung und Eloxalwerk)

Mit welch interessanten Projekten Collini seit Jahren die Soft Skills seiner Lehrlinge fördert, wird im
Abschnitt „Die Beispiele“ gezeigt (--> 3.3.1).

Die PLANSEE GmbH (Pulvermetallurgieindustrie) konzentriert sich zB speziell auf Sozial- und
Methodenkompetenz und hat dafür ein eigenes Baukastenprinzip entworfen (--> 3.3.1).


SOZIALKOMPETENZ

Die in der Lehrlingsausbildung am häufigsten geförderten Schlüsselqualifikationen betreffen die Sozialkompetenz und dabei besonders die Team- und Kommunikationsfähigkeit. Lehrbetriebe wie die Fernwärme Wien GmbH oder die Forstenlechner Installationstechnik GmbH setzen ebenso auf das Training dieser Fähigkeiten wie die FACC Fischer Advanced Composite Components AG (Entwicklung, Produktion und Wartung von Luftfahrtbauteilen), die zwei Mal pro Jahr dazu zweitägige Seminare veranstaltet. Bei der Wolford AG gibt es für die Heranbildung von Teamfähigkeit eigene Outdoor- Veranstaltungen. Mit verschiedenen gruppendynamischen Übungen und Rollenspielen lernen die Jugendlichen bei der Siemens AG Österreich Teamgeist zu entwickeln.

Wie geht man am besten mit Konflikten um? Bei der Neckermann Versand Österreich AG oder der WIBERG GmbH üben Lehrlinge in Seminaren Konfliktsituationen zu meistern.

Sich sprachlich gewandt auszudrücken, Argumente vor Publikum überzeugend darzustellen, das alles lernen Lehrlinge bei Einrichtungen und Betrieben wie der Kärntner Gebietskrankenkasse oder dem Gummiwerk KRAIBURG Austria GmbH & Co.

Auch beim Fit for Future Preisträger Fetzcolor Fetz Malerei GmbH besuchen die Lehrlinge jedes Jahr ausgewählte Lehrlingsseminare mit bestimmten Schwerpunkten (--> 3.3.1).


METHODENKOMPETENZ

Damit die jungen Facharbeiter neue Aufgaben erfolgreich bewältigen können, brauchen sie entsprechendes methodisches Rüstzeug. Dieses in der Lehre zu vermitteln hat für die Fit for Future Betriebe Priorität. Allein, dass Jugendliche üben, selbstständig Informationen zu sammeln, auszuwerten und darzustellen, ist eine wichtige Schlüsselkompetenz. So konnten bei der Surface Specialties Austria GmbH (Kunstharzhersteller) die Lehrlinge im Rahmen des Projekts „Lager“ ihre Präsentationsfähigkeiten trainieren. Nachdem die Jugendlichen selbstständig geltende Rechtsvorschriften für die Lagerung, Kennzeichnung, Einstufung und Entsorgung von Chemikalien recherchiert und zusammengestellt hatten, präsentierten sie ihre Ergebnisse vor ihren Kollegen.


KOMPETENZ FÜR DAS SELBSTGESTEUERTE LERNEN

Lebensbegleitendes Lernen setzt die Fähigkeit zu lernen voraus. Deshalb lernen die Lehrlinge in vielen Betrieben wie zB Philips Austria GmbH, „Der Grüne“ Kurt Micheluzzi GesmbH & Co (Malereibetrieb) oder VERBUND-Austrian Hydro Power AG „richtig lernen“. Vielfach geht es dabei um das Kennenlernen bzw. den erfolgreichen Einsatz von verschiedenen Lerntechniken und um die Ermittlung des jeweiligen Lerntyps. Collini führt mit seinen Lehrlingen aus diesem Grund auch eine Lerntechnikschulung als Vorbereitung für die Berufsschulausbildung durch. Denn: „Ziel der Lehrlingsausbildung ist die ganzheitliche Qualifizierung der Lehrlinge.“ (aus der Fit for Future Einsendung von Collini).

Das Training von Gedächtnis und Merkfähigkeit sowie die Verbesserung der Konzentration sind für sämtliche Lernprozesse von Vorteil. Deshalb finden zB bei Lehrbetrieben wie der Teufelberger GmbH (Kunststoffindustrie) oder bei Kraft Foods Österreich GmbH (Lebensmittelindustrie) so genannte Gedächtnis- und Konzentrationstrainings für Lehrlinge statt.


SELBSTKOMPETENZ

Dass Österreichs Lehrbetriebe Selbstständigkeit und unternehmerisches Denken ihrer Lehrlinge fördern, wurde bereits ausführlich dargestellt (--> Erfolgsfaktor 2).

Hier soll nur ein weiterer Case of good Practice erwähnt werden: Bei der IKEA Möbelvertrieb OHG können potenzielle Nachwuchsführungskräfte ein dreimonatiges „Rohdiamanten-Programm“ absolvieren. Bei erfolgreichem Abschluss gibt es die Chance, nach der Lehre das IKEA Nachwuchs- Programm zu besuchen.

Die Fit for Future Teilnehmer fördern aber auch die Kreativität ihres Fachkräftenachwuchses. Bei der Peneder Bau GmbH zB werden für die Lehrlinge des Unternehmens so genannte „Kreativtage“ veranstaltet, bei denen die Jugendlichen die Möglichkeit haben, ihr kreatives Potential voll auszuleben.

Auch durch die Förderung der kulturellen Bildung der Lehrlinge kann die Kreativität der Jugendlichen angeregt werden. So nehmen Lehrlinge einiger Unternehmen an verschiedenen Kunst- und Kulturprojekten teil. Lehrlinge der KELAG hatten zB die Möglichkeit, bei der Erstellung eines Radioprogramms mitzuarbeiten, das auch tatsächlich ausgestrahlt wurde. Auch bei der MPREIS Warenvertriebs GmbH wird versucht, den Jugendlichen kulturelle Themen näher zu bringen (--> 3.3.1).

Für den Erwerb von Schlüsselqualifikationen müssen aber oft gar keine speziellen Seminare oder Workshops besucht werden. Durch das Prinzip „learning by doing“ schafft der normale Ausbildungsalltag in der Lehre mit seinen modernen Arbeitsmodellen wie zB Projektarbeiten bereits beste Voraussetzungen für die Ausbildung von Schlüsselqualifikationen.