zur Übersicht von Erfolgsfaktor 5

 

 

 

 

 

 

 

 

Step by Step zum Auslandspraktikum
Ein Lehrlingsaustausch-Projekt gliedert sich in verschiedene Phasen*, wie folgende Abbildung zeigt:

ABBILDUNG 6: Phasen eines Lehrlings-austausches

Download

Anmerkung: Die Phasen 1 und 2 sind als Grundsatzentscheidungen langfristig ausgerichtet. Die Phasen 3 – 8 betreffen jedes Auslandspraktikum und sind immer wieder von Neuem zu durchlaufen.


Berichte von Lehrlingen nach ihrem Auslandspraktikum:

„Ich habe unendlich viel gelernt – vor allem über mich selbst, aber auch über mein Berufsfeld.“
(Lehrling aus Norwegen)

„Die Leute, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, waren sehr freundlich und hilfsbereit. Jeder hat sein Bestes versucht, mir alles zu erklären, was sie machen. Und ich war in der Lage, mit ihnen zu arbeiten.“
(Lehrling aus Finnland)

„Vor allem war es mir möglich, Arbeitserfahrungen in einem anderen Land zu machen, und ich habe einen Einblick bekommen in die Arbeitsbedingungen in einem anderen Land. Dazu habe ich kulturelle Bräuche kennen gelernt und die Geschichte. Aber nicht nur die Arbeit, auch die Landschaft und die ganze Lebensweise waren fantastisch.“
(Lehrling aus Deutschland)

„Ich wurde wie eine reguläre Mitarbeiterin behandelt (im positiven Sinn), gar nicht wie ein Lehrling. Es waren dort sehr viele junge Leute. Es war leicht, Freunde zu finden. Alle wollten, dass es mir gut geht.“
(Lehrling aus Norwegen)

Quelle: http://www.mit.at/europass/DeutscheVersion/start.htm

*) Dieses Phasenmodell wurde im Rahmen des Leonardo da Vinci Projektes „Pro EUROPASS“ entwickelt und steht über die Website http://www.mit.at/europass/index.htm allen Interessierten zur Verfügung. Der Abdruck dieses Handbuch-Ausschnittes erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Fachhochschule Wien GmbH, die Mitglied der Projektpartnerschaft war.

Das folgende Praxisbeispiel zeigt die Vorgangsweise bei der Abwicklung eines Lehrlingsaustausches auf Basis dieses Phasenmodells:


PHASE 1: Entwicklung einer Mobilitätsstrategie im Rahmen von Europass Berufsbildung
(Das Dokument „Europass Berufsbildung“ wurde in „EUROPASS Mobilitätsnachweis“ umbenannt (vgl. http://www.europass.at/). )

Ein österreichisches Unternehmen mit weltweiten Märkten setzt in die Internationalisierung der Lehrlingsausbildung folgende Erwartungen:

Verbesserung der Englischkenntnisse
Entwicklung von Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein
Anreiz (Belohnung) für besonders gute Ausbildungsleistungen

Das Auslandspraktikum erfolgt im letzten Jahr der Ausbildung, wenn die Lehrlinge in der Regel bereits volljährig sind und ausreichende Berufskenntnisse haben, um sich in ein fremdes Unternehmen einzugliedern. Es soll vier Wochen dauern und nicht in die Zeit des Blockunterrichts in der Berufsschule fallen. Als Arbeitssprache beim Auslandspraktikum ist Englisch vorgesehen. Das Unternehmen entsendet eine begrenzte Zahl von Lehrlingen (zB drei) und ist bereit, im Austausch Lehrlinge aus Partnerunternehmen aufzunehmen. Zur Finanzierung werden Förderungen aus dem Programm Leonardo da Vinci in Anspruch genommen.

In der organisatorischen Abwicklung wird das Unternehmen von dem nationalen Verein für den Internationalen Fachkräfteaustausch (IFA) unterstützt. Die Lehrlinge erhalten während der gesamten Dauer ihres Praktikums weiterhin ihre Lehrlingsentschädigung und sind voll sozialversichert. Die Ausbildungszeit im Ausland wird im Europass Berufsbildung dokumentiert und anerkannt.


PHASE 2: Aufbau von europäischen Partnerschaften

Im Beispielsfall handelte es sich um den Praktikumsaustausch von Elektrikern. Partnerunternehmen waren Klein- und Mittelbetriebe in Norwegen. Der Kontakt wurde über eine norwegische Servicestelle für Auslandspraktika hergestellt. Diese sorgte auch für eine professionelle Betreuung während des Praktikums.

Für die österreichischen Lehrlinge war die Tätigkeit in einem Klein- und Mittelbetrieb eine neue Erfahrung, ebenso für die norwegischen Lehrlinge die Arbeit in einem großen Industrieunternehmen. Der Austausch der Lehrlinge erfolgte zeitversetzt. Zuerst verbrachten die österreichischen Lehrlinge vier Wochen in Norwegen. Während der ersten Woche wurden sie von ihrem Ausbilder begleitet. Der Gegenbesuch der norwegischen Lehrlinge in das österreichische Unternehmen wurde für einen Zeitraum geplant, in dem die österreichischen Lehrlinge bereits wieder zurück waren.


PHASE 3: Auswahl der Teilnehmer am Auslandspraktikum, Vereinbarung der Lernziele, Terminplanung

Die Lehrlinge für das Auslandspraktikum wurden nach folgenden Überlegungen ausgewählt:
Sind ihre Englischkenntnisse ausreichend?
Haben sie in ihrer bisherigen Ausbildung gute Leistungen erbracht?
Werden sie von ihrer Persönlichkeit her ein Auslandspraktikum bewältigen?
Wollen sie an diesem Auslandspraktikum teilnehmen?

Für jeden Lehrling wurden zwischen den Partnerunternehmen die fachlichen Lernziele des Praktikums und die Arbeitsaufgaben im Groben schriftlich vereinbart. Die Dauer des Praktikums wurde in Abstimmung mit dem betrieblichen und schulischen Ausbildungsplan mit vier Wochen während des Monats Oktober festgelegt.


PHASE 4: Vorbereitung der Teilnehmer

Die Lehrlinge des österreichischen Industrieunternehmens erhalten zusätzlich zur Berufsschule regelmäßig Englischunterricht im Unternehmen. Vor ihrer Reise nach Norwegen wurden sie von einer Norwegerin in die kulturellen, geografischen und wirtschaftlichen Besonderheiten Norwegens eingeführt und erlernten Grundbegriffe der norwegischen Sprache für das tägliche Leben und für ihren Beruf.

Die Unterbringung wurde über die norwegische Servicestelle für Auslandspraktika vermittelt. Die österreichischen Lehrlinge fuhren gemeinsam mit ihrem Ausbilder nach Norwegen. Der Ausbilder blieb dort eine Woche. Er lernte die norwegischen Ausbilder kennen und die Austauschlehrlinge. So konnte der Gegenbesuch der norwegischen Lehrlinge optimal vorbereitet werden.


PHASE 5: Durchführung der Auslandspraktika und Betreuung der Teilnehmer

Die österreichischen Lehrlinge hatten in der ersten Woche ihres Aufenthalts auch noch ihren eigenen Ausbilder als Betreuer, falls besondere Schwierigkeiten auftreten würden. Doch war ihr wichtigster Ansprechpartner der Ausbilder im jeweiligen Gastunternehmen, der ihnen die konkreten Arbeitsaufgaben zuteilte und Anleitungen gab. Mit ihm besprachen sie am Ende jeder Woche ihre Erfahrungen und was sie dabei lernen konnten. Das alles wurde in einem eigenen Berichtsformular auch schriftlich festgehalten. Darüber hinaus hatten die Lehrlinge regelmäßig Kontakt mit einem Mitarbeiter der norwegischen Servicestelle für Auslandspraktika, der ihnen auch Tipps für die Freizeitgestaltung gab.


PHASE 6: Unterstützung der Teilnehmer bei Rückkehr und Reintegration

Nach ihrer Rückkehr hatten die Lehrlinge Gelegenheit, ihren Lehrlingskameraden, den Ausbildern und dem Ausbildungsleiter von ihren Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten. Da sie nicht länger abwesend waren als während eines Urlaubs, waren sie schnell wieder in das alltägliche Geschehen eingebunden.


PHASEN 7 UND 8: Evaluierung der durchgeführten Auslandspraktika und Beschluss von Verbesserungsmassnahmen für zukünftige Auslandspraktika

Die österreichischen Lehrlinge haben ihr Auslandspraktikum erst vor wenigen Tagen abgeschlos-sen. Die Einschätzung des Erfolgs geschieht in persönlichen Gesprächen des Ausbildungsleiters mit den Lehrlingen und mit dem begleitenden Ausbilder. Darüber hinaus liegen die schriftlichen Arbeits- und Lernberichte vor, die während des Ausbildungspraktikums entstanden sind, sowie die Eintragung im Europass Berufsbildung. In Verbindung mit der in Anspruch genommenen finanziellen Förderung durch das Programm Leonardo da Vinci ist ein weiterer Erfahrungsbericht zu schreiben.

Der gesamte Erfolg des Lehrlingsaustauschs kann erst nach dem Gegenbesuch der norwegischen Lehrlinge bewertet werden, der noch nicht stattgefunden hat. Dann ist auch zu entscheiden, was in Zukunft verbessert werden soll. Wenn die österreichisch-norwegische Partnerschaft befriedigend verlaufen ist, kann sie in Zukunft durch ein Rahmenabkommen gefestigt werden.