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8.2.2 Erfolg trotz Handicap: Jugendliche
mit besonderen Bedürfnissen
Es ist nicht nur unsere
Aufgabe Leistungsträger auszubilden. (aus der Fit
for Future Einsendung der Salzburg
AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation)
Bewusst nimmt das Versorgungsunternehmen,
Fit for Future Teilnehmer 2004, pro Jahr deshalb mindestens
einen Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen auf, fördert
ihn gezielt bis zum erfolg-reichen Abschluss der Lehre und
befindet sich mit dieser Einstellung in bester Gesellschaft: Denn
ein genauer Blick auf die Ausbildungsbetriebe des österreichischen
Lehrbetriebsawards zeigt: Ob Groß-oder Kleinbetrieb, unsere
Unternehmen schaffen auch für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen
Zukunft.
JUGENDLICHE MIT BESONDEREN BEDÜRFNISSEN UND IHRE AUSBILDUNG
IN EINEM REGULÄREN LEHRVERHÄLTNIS
Ob lernschwache Jugendliche, Mädchen
und Burschen ohne Schulabschluss oder mit sozialen Problemen, durch
die Förderung unserer Betriebe schaffen sie ihre Lehre und
sichern sich ihre Zukunftschancen, wie der folgende Überblick
zeigt.
Primär wichtig waren mir
die handwerklichen Fähigkeiten, und die haben gestimmt,
betont bei-spielsweise Viktor Emmer, Ausbilder und Mitinhaber des
kleinen burgenländischen Betriebs Leidl
& Emmer Raumausstatter Ges.m.b.H. seine Entscheidung
für die Ausbildung eines Sonderschulabsolventen. Dieser wurde
zum Bodenleger ausgebildet und war bis 2004 bei Leidl & Emmer
beschäftigt. Jetzt hat er sich selbstständig
gemacht und führt sein eigenes Unternehmen.
Solche Erfolgsgeschichten sind bei
den Fit for Future Teilnehmern gar nicht so selten. Möglich
sind sie nur durch große gemeinsame Anstrengung der Betriebe
und der Lehrlinge. Ein besonders engagiertes Unternehmen ist die
Kotzbeck-Loh Ges.m.b.H & Co KG
(Bäckerei Café Konditorei) aus der Steiermark.
Für ihr Engagement in der Förderung von Jugendlichen mit
besonderen Bedürfnissen wurde das Unternehmen 2003 mit einem
Fit for Future Sonderpreis ausgezeichnet (--> 8.3.1).
Beim Vorarlberger Paradeunternehmen
und Fit for Future Preisträger Collini
GmbH (Metallveredelung und Eloxalwerk) werden auch
Lehrlinge eingestellt, die keine abgeschlossene Schullaufbahn haben.
Sie werden individuell gefördert, um die Berufsschule zu bestehen.
Beispiel: Ein ausländischer Jugendlicher beendete die Schulpflicht
in der siebenten Schulstufe mit negativem Abschluss. Er hat die
Berufsschule ohne Wiederholungsprüfungen und auch die Lehrabschlussprüfung
beim ersten Antritt geschafft. (aus der Collini Fit
for Future Einsendung 2003)
Besondere
Zuwendung erhalten in unseren Betrieben nicht nur lernschwache
Jugendliche, sondern auch Mädchen und Burschen, die Probleme
haben mit anderen und sich selbst.
Der steirische Feinkost-Spezialist Schirnhofer
GmbH bietet beispielsweise Lehrabbrechern
und schwierigen Jugendlichen eine zweite Chance. Mit
Erfolg, wie Geschäftsführer Karl Schirnhofer betont: Unserer
Erfahrung nach bringen sehr oft gerade diese Jugendlichen viele
Voraussetzungenfür gute zukünftige Mitarbeiter oder sogar
Führungskräfte mit.(--> 8.3.1)
Wie Österreichs Betriebe diese Jugendlichen
fördern, ist höchst unterschiedlich. Das Spektrum reicht
von Lernen und Üben mit dem Chef über maßgeschneiderte
Ausbildungs- und Förderprogramme bis zum Besuch von
persönlichkeitsbildenden Seminaren
oder Konfliktmanagementworkshops.
Eine weitere Gruppe von Mädchen und Burschen
mit besonderen Bedürfnissen sind körperlich beeinträchtigte
Jugendliche. Auch ihnen wird in unseren Betrieben eine vollwertige
Lehrlingsausbildung an behindertengerecht eingerichteten Arbeitsplätzen
ermöglicht. Manchmal ist auch der Einsatz zusätzlicher
Betreuer oder Spezialisten
wie Logopäden notwendig, die die betrieblichen Ausbilder unterstützen.
Ausgesprochen positiv verläuft nach Aussage unserer Lehrbetriebe
die Integration in die Arbeitsteams. Ein besonders gelungenes Beispiel
für die Ausbildung von Jugendlichen mit körperlicher Beeinträchtigung
hat die Siemens AG Österreich
in ihrer Fit for Future Einsendung 2003 vorgestellt. Es wird
in Abschnitt 3 dieses Kapitels näher beschrieben (--> 8.3.1).
Aber auch bei der voestalpine
Stahl Donawitz GmbH & Co KG wird mit Engagement an die
Ausbildung von Jugendlichen mit körperlichem Handicap herangegangen:
Aufnahme eines zu 60 % behinderten Jugendlichen. Da er
die gesundheitlichen Voraussetzungen für einen gewerblichen
Lehrberuf nicht erfüllte, wurde ihm die Möglichkeit geboten,
den Lehrberuf Buchhaltung zu erlernen. (aus
der Fit for Future Einsendung des Unternehmens)
Auch kleine und mittlere Unternehmen leisten in
der Ausbildung besonderer Jugendlicher Herausragendes. So wurde
zB auch bei der FIS Lebensmittelhandel
GmbH erfolgreich auf die totale Integration eines
körperlich behinderten Jugendlichen (80 %) gesetzt.
(aus der Fit for Future Einsendung 2003 des Unternehmens).
Die Liste von Lehrbetrieben, die Behinderte ausbilden,
ließe sich lange fortsetzen. Zum Abschluss nur noch ein Statement
des oberösterreichischen Kunststoffkonzerns FACC
Fischer Advanced Composite Components AG, das das Engagement
der Betriebe auf den Punkt bringt: FACC ist sich auch der
Verantwortung für benachteiligte Jugendliche bewusst. Ein körperlich
beeinträchtigter Bursche bekam bei uns die Möglichkeit,
die Lehre zum Kunststofftechniker zu machen. Die Integration in
die Gruppe und die Akzeptanz laufen hervorragend und der Lehrling
tut das Seine, um beste Leistungenzu erbringen was ihm auch
ganz toll gelingt.
Für einige Jugendliche ist die reguläre
Lehre trotz aller zusätzlichen Anstrengungen der Unternehmen
dennoch nicht die richtige Ausbildung. Für sie wurde mit der
Integrativen Berufsausbildung
eine neue Perspektive für
ein ausgefülltes Berufsleben geschaffen.
INTEGRATIVE BERUFSAUSBILDUNG EINE ERFOLG VERSPRECHENDE OPTION
FÜR JUGENDLICHE MIT BESONDEREN BEDÜRFNISSEN
Dieses 2003 eingeführte Ausbildungsmodell
ist für vier unterschiedliche Personengruppen geeignet:
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Für Jugendliche, die am
Ende der Pflichtschule sonderpädagogischen Förderbedarf
hatten, und |
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(zumindest teilweise) nach einem
Sonderschullehrplan unterrichtet wurden, |
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Personen ohne oder mit negativem
Hauptschulabschluss, |
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Jugendliche mit geistigen und/oder
körperlichen Behinderungen entsprechend dem Behinderten- |
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einstellungsgesetz und |
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Burschen und Mädchen, bei
denen auf Grund erfolgloser Vermittlungsversuche bzw. aus persön- |
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lichen Gründen angenommen
werden muss, dass sie in absehbarer Zeit keine Lehrstelle finden
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können. |
| Mit
diesen Jugendlichen kann eine von zwei Ausbildungsvarianten
vereinbart werden: |
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ABBILDUNG 2: Möglichkeiten der Integrativen
Berufsausbildung
Ob ein Lehrling für die Integrative
Berufsbildung in Frage kommt, prüft das Arbeitsmarktservice
(AMS). Das AMS fördert
auch Ausbildungsbetriebe, die Lehrstellen im Rahmen der Integrativen
Be-rufsausbildung zur Verfügung stellen.
Für den Berufsschulbesuch gilt, dass
Jugendliche mit verlängerter Lehrzeit berufsschulpflichtig
sind, jene mit Teilqualifikation aber nur dann, wenn dies
in ihren individuellen Ausbildungszielen so vereinbart wurde.
Bei der Integrativen Berufsausbildung werden
Jugendliche und Betriebe durch die Berufsausbildungsassistenz
unterstützt.
Hinweis: Nähere Informationen zur
Integrativen Berufsausbildung sowie zu den Förderungen
von AMS, Behindertenreferaten der Länder etc.: -->
http://wko.at/lehrlinge,
http://www.ams.or.at,
http://www.bmwa.gv.at
Die Integrative Berufsausbildung wird gut
angenommen: Schon jetzt bilden Österreichs Unternehmen
und Ausbildungseinrichtungen an die 2.000 junge Menschen auf
dieser Basis aus. Zu den engagierten Ausbildungsbetrieben
zählen zahlreiche Fit for Future Teilnehmer, wie
die BILLA Aktiengesellschaft
(--> 8.3.1) und die Mercedes
Benz Georg Pappas Automobil AG (Fit for Future
Preisträger 2004). Der Salzburger Merecedes-Betrieb ermöglicht
jungen Menschen den Erwerb einer beruflichen Teilqualifikation.
Einen konsequenten Weg zur Förderung
junger Menschen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen,
schlägt auch die Wien Work-integrative
Betriebe und AusbildungsgesmbH (Fit for Future
Teilnehmer 2003) ein. Das gemeinnützige Unternehmen bildet
Menschen mit Körper-, Sinnes- oder Lernbehinderungen
und andere Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen aus.
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