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9.2.4„Karriere mit Lehre“: Höherqualifizierung und Karriereplanung

„Oft hört man von Akademiker-Arbeitslosigkeit. Hast du schon mal was von Meister-Arbeitslosigkeitgehört?“ (aus: Weil aller Anfang so schwer ist: Eine leichte Kost für Berufseinsteiger. Kurt Micheluzzi GesmbH & Co, „Der Grüne“, Malermeisterbetrieb in Vorarlberg)

Eine rechtzeitige Karriereplanung und die Förderung von zusätzlichen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten ermöglichen eine Höherqualifizierung und damit einen schnelleren Aufstieg im Unternehmen. Durch diese verbesserte Zukunftsperspektive erhöht sich auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter und es wird leichter, die fertigen Facharbeiter im Unternehmen zu halten. Damit sichern sie dem Unternehmen aber auch den Führungskräftenachwuchs.

Neben den herkömmlichen Weiterbildungsmaßnahmen, wie Fremdsprachen- und EDV-Kenntnisse und verschiedene Persönlichkeitstrainings, wird den Fachkräften der Fit for Future Teilnehmer zunehmend die Berufsmatura, ein berufsbegleitendes Fachhochschulstudium oder ein Universitätsstudium ermöglicht.

Eine spezielle Frage in diesem Zusammenhang ist aber auch, wie jene Lehrlinge unterstützt werden können, bei denen bereits im Vorfeld fest steht, dass sie nicht im Unternehmen weiter beschäftigt werden können.


VIELFÄLTIGE MÖGLICHKEITEN DER KARRIEREPLANUNG

Die Karriereplanung in den österreichischen Lehrbetrieben reicht von individuellen Karrieregesprächen über Seminare zur Karriereplanung bis hin zu Traineeprogrammen.

Die individuellste Möglichkeit der Karriereplanung sind Mitarbeitergespräche, die in Form laufender „Entwicklungsgespräche“ durchgeführt werden oder gezielt als „Karrieregespräch“, wie es die SPAR Österreichische Warenhandels-AG einsetzt. Dabei werden die Lehrlinge und jungen Facharbeiter auf innerbetriebliche Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen hingewiesen und ihnen ihre Erfolgspotenziale aufgezeigt. Zur effizienten Unterstützung kann ein schriftlicher Fragebogen herangezogen werden, der den Lehrlingen hilft, sich im Vorfeld Gedanken über ihre eigenen Pläne und Vorstellungen zu machen.

Eine ganze Reihe von Fit for Future Teilnehmern ermöglicht ihren Lehrlingen durch mehrtägige Seminare, sich über ihre weitere Laufbahn klar zu werden und diese konkret zu planen. Die bellaflora Gartencenter GmbH will mit dem zweitägigen Seminar „Vom Lehrling zum Mitarbeiter“ den Übergang nach der Lehrabschlussprüfung in ein „normales“ Dienstverhältnis erleichtern.

Meine Zukunft bei Miba“ ist ein Seminarprogramm der Miba AG (Zulieferer für die Motoren- und Fahrzeugindustrie), in dem gemeinsam mit den Lehrlingen des dritten Lehrjahres – aufbauend auf einem Feedback zur Lehrzeit – Pläne und Perspektiven für die Zukunft der Lehrlinge bei Miba entwickelt werden. Häufig werden diese Seminare, wie zB beim Seminar „Wege zum Erfolg“ der Wolford AG, mit einer Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung verbunden.


KARRIEREPLANUNG BEREITS BEIM EINSTIEG

Aus vielen Fit for Future Einsendungen geht hervor, dass das Thema „Karriere mit Lehre“ bereits in der Berufsinformation bzw. zu Beginn der Lehrzeit aufgegriffen wird. So weist etwa die Norske Skog Bruck GmbH (Papierindustrie) in ihrer Lehrlingsinformationsbroschüre gezielt auf die Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen hin (--> 9.3.2).


BERUFSREIFEPRÜFUNG (BERUFSMATURA) UND STUDIUM AN FACHHOCHSCHULEN UND UNIVERSITÄTEN

Es ist für Lehrlinge längst keine Ausnahme mehr, im Anschluss an den Lehrabschluss die Berufsmatura zu absolvieren und sich damit den Zugang zu Fachhochschulen und Universitäten zu eröffnen. Und wie uns die Fit for Future Einreichungen bestätigen, ist es vielen Lehrbetrieben ein Anliegen, diese Ambitionen ihrer Lehrlinge auch tatkräftig zu unterstützen. Dadurch werden die Mitarbeiter nicht nur zusätzlich ans Unternehmen gebunden (--> 9.2.3), es werden auch gleichzeitig Führungskräfte herangebildet, die sowohl das fachtheoretische Hintergrundwissen aus dem Studium mitbringen als auch die praktische betriebliche Ausbildung und den Betrieb sozusagen in- und auswendig kennen.

Die Unterstützungsmöglichkeiten dabei sind ua.:

Information und Planung sinnvoller Studienmöglichkeiten in Hinblick auf die innerbetriebliche
  Karriere,
Schaffung der zeitlichen Ressourcen, damit die jungen Fachkräfte berufsbegleitend die Matura
  oder das Studium absolvieren können,
die Möglichkeit, erforderliche Fertigkeiten im Betrieb zu trainieren,
oder sehr häufig auch die finanzielle Förderung durch Beiträge zu den Studiengebühren (wie
  etwa bei der Sandoz GmbH).

oder sehr häufig auch die finanzielle Förderungdurch Beiträge zu den Studiengebühren (wie etwa bei der Sandoz GmbH).


INNERBETRIEBLICHE WEITERQUALIFIZIERUNG

Neben der Möglichkeit, über Berufsmatura und Studium die eigenen Fachkräfte weiter zu qualifizieren, setzen vor allem große Lehrbetriebe auf innerbetriebliche Weiterbildungsprogramme, um die Nachwuchsführungskräfte punktgenau auf die eigenen betrieblichen Anforderungen vorzubereiten. Konzeptionelle Unterschiede bestehen hier vor allem darin, ob diese Nachwuchsführungskräfteent-wicklung prinzipiell allen jungen Fachkräften offen steht, wie etwa im Management-Ausbildungsprogramm der McDonald’s Franchise GmbH, oder gezielt vielversprechende Lehrabsolventen dafür ausgewählt werden wie im „Rohdiamanten“-Programm der IKEA Möbelvertrieb OHG.


AUF DEN ARBEITSMARKT VORBEREITEN

Immer wieder geht aus den Fit for Future Einreichungen hervor, dass Unternehmen auch über den Ei-genbedarf hinaus ausbilden. Die Gründe dafür wurden einleitend bereits dargestellt. Diese Unternehmen betonen dabei einhellig, dass es eines ihrer ersten Ziele ist, die Ausbildung so zugestalten, dass diese jungen Fachkräfte am Arbeitsmarkt optimale Vermittlungschancen vorfinden. Zusätzlich zur fachlichen Ausbildung und dem breiten Programm an sozialen Zusatzqualifikationen werden den Lehrlingen deshalb verstärkt Möglichkeiten angeboten, sich gezielt auf die Stellensuche und das Bewerbungsverfahren vorzubereiten. Die Kapsch BusinessCom AG (vormals Schrack BusinessCom AG) führt dazu zB ein Bewerbungstraining durch (--> 9.3.3).