ENTSCHEIDUNG FÜR DIE LEHRE
WAS JUGENDLICHE ÜBER DIE LEHRE WISSEN SOLLTEN! – WORAN SIE BEI DER (LEHR-) BERUFSWAHL DENKEN SOLLTEN!
Die Berufs- und Ausbildungsentscheidung ist keine leichte Sache. Es ist oft schwierig, aus der Vielzahl an Möglichkeiten jene auszuwählen, die zu einem passt und in der man seine Stärken optimal einsetzen kann. Umfassende Informationen können jedoch die Suche erleichtern.
Wenn Sie zu jenen rund 40.000 Schülerinnen und Schülern gehören, die sich jedes Jahr für eine Lehrausbildung entscheiden, dann haben Sie sicher jede Menge Fragen. Fragen, die sich über einen weiten Bogen spannen – von der Suche nach einem geeigneten Beruf und einer geeigneten Lehrstelle bis hin zur Lehrabschlussprüfung.
Antworten auf viele dieser Fragen finden Sie auf den folgenden Seiten. Diese sollen Ihnen als Erstinformation dienen, damit Sie einen groben Überblick erhalten. Detaillierte Auskünfte und Hilfestellungen erhalten Sie bei den Berufsinformationszentren der Wirtschaftskammern (-> Wichtige Adressen) und des Arbeitsmarkservice (-> Hilfreiche Links) sowie bei der Lehrlingsstelle Ihres Bundeslandes (-> Wichtige Adressen).
DIE LEHRE.
WICHTIGE ERSTE INFORMATIONEN!
WAS IST DIE LEHRE?
Die Lehre ist eine moderne Ausbildung, mit der Sie eine vollständige Berufsausbildung erwerben. Nach ihrem Abschluss sind Sie zB Augenoptiker/-in, Metalldesigner/-in, Verwaltungsassistent/-in etc.
WIE FUNKTIONIERT DIE LEHRE?
Die Lehre unterscheidet sich wesentlich von Ihrer bisherigen schulischen Ausbildung. Sie lernen die meiste Zeit nicht in einer Schule sondern in einem Unternehmen. Dort erwerben Sie das für Ihren Beruf notwendige fachliche Know-how. Ein- bis zweimal in der Woche oder über mehrere Wochen geblockt besuchen Sie die Berufsschule. Eine gut ausgebildete Fachkraft muss nämlich auch über theoretisches Hintergrundwissen und eine solide Allgemeinbildung verfügen. Während der Lehrzeit sind Sie somit gleichzeitig Auszubildende bzw. Auszubildender in einem Betrieb und Schüler/-in einer Berufsschule.
WIE VIELE UND WELCHE LEHRBERUFE GIBT ES?
Derzeit gibt es rund 250 Lehrberufe, einige davon mit zusätzlichen Schwerpunkten. Wie Ihnen diese Broschüre zeigt, finden Sie in jedem Wirtschaftsbereich eine Reihe an Lehrausbildungen. Die Vielzahl der Ausbildungen ermöglicht es Ihnen, jenen Lehrberuf auszuwählen, der Ihren Stärken am besten entspricht.
WIE LANGE DAUERT EINE LEHRE?
Eine Lehre dauert entweder zwei, zweieinhalb, drei, dreieinhalb oder vier Jahre. Die meisten Lehrberufe sind dreijährig.
WANN KANN ICH MIT EINER LEHRE BEGINNEN?
Damit Sie eine Lehre beginnen können, müssen Sie die neunjährige Schulpflicht abgeschlossen haben. Ein positiver Abschluss ist zwar formal nicht verpflichtend, erhöht aber Ihre Chancen auf eine Lehrstelle.
KANN ICH AUCH MEHR ALS EINEN LEHRBERUF ERLERNEN?
Eine besondere Chance für das Berufsleben bietet die Möglichkeit, gleichzeitig zwei Lehrberufe zu erlernen. Diese so genannten Doppellehren dauern höchstens vier Jahre. Voraussetzung dafür ist, dass der Lehrbetrieb so eingerichtet ist und so geführt wird, dass die Ausbildung in beiden Berufen möglich ist.
WIE LÄUFT DIE AUSBILDUNG IM BETRIEB KONKRET AB?
Von der Schule her wissen Sie, dass es für jeden Gegenstand einen Lehrplan gibt. Für die betriebliche Ausbildung gibt es etwas Ähnliches, nämlich das Berufsbild. Für jeden Lehrberuf gibt es ein eigenes Berufsbild, das österreichweit gilt. In ihm ist festgehalten, was Sie während Ihrer Lehrzeit in welchem Lehrjahr an Kenntnissen und Know-how erwerben.
Wie ein Lehrplan ist auch ein Berufsbild nur grob formuliert. In Ihrem Lehrbetrieb gibt es wahrscheinlich für Sie daher einen konkreten Ausbildungsplan, der genauer festlegt, wann Sie welche Fertigkeit lernen und üben.
In der Schule gibt es Lehrer/-innen, im Betrieb Lehrberechtigte und Ausbilder/-innen. Lehrberechtigte sind verantwortlich für Ihre Ausbildung. Vereinfacht gesagt ist der Chef Ihres Lehrbetriebes Ihr Lehrberechtigter oder Ihre Lehrberechtigte. In kleinen Unternehmen ist der/die Lehrberechtigte oft gleichzeitig Ihr/e Ausbilder/-in.
Es kann, wie das in größeren Unternehmen oft der Fall ist, aber auch eine andere Person mit Ihrer Ausbildung betraut werden. Dann ist diese Person Ihr/e Ausbilder/-in. Sie ist nicht nur fachlich kompetent, sondern ebenso wie Lehrer/-innen auch pädagogisch geschult. Im Wesentlichen tragen Ausbilder/-innen (stellvertretend für die Lehrberechtigten) die Verantwortung für Ihre ordnungsgemäße Ausbildung. Dabei muss er/sie den Inhalt und Zeitablauf Ihrer Ausbildung planen, Sie fachlich unterweisen, die Ausbildung überwachen und Kontakt mit Ihren Eltern bzw. der Berufsschule halten.
Die Berufsausbildung im Betrieb findet unter den Bedingungen des Arbeitslebens an Maschinen, Geräten und Einrichtungen statt, die dem modernsten Stand der Technik entsprechen und je nach Beruf in ständigem Kontakt mit Kunden, Kollegen/Kolleginnen und Geschäftspartnern. Nach Abschluss Ihrer Ausbildung können Sie als Fachkraft sofort eine qualifizierte berufliche Tätigkeit übernehmen.
WAS LERNE ICH IN DER BERUFSSCHULE?
Man spricht bei der Lehre von einem dualen System. Das heißt, Sie werden an zwei verschiedenen Lernorten ausgebildet, im Betrieb und in der Berufsschule. Bei der Ausbildung im Betrieb steht das „learning by doing“ im Vordergrund. In der Berufsschule erwerben Sie den für die Ausübung Ihres Berufes notwendigen theoretischen Hintergrund und erweitern Ihre Allgemeinbildung. Auch zusätzliche fachpraktische Kenntnisse werden in der Berufsschule vermittelt.
Der Schwerpunkt der Ausbildung in der Berufsschule liegt mit zirka 75 % beim berufsorientierten Fachunterricht, ein Viertel der Schulzeit nimmt der allgemeine Unterricht ein. Im Rahmen des Fachunterrichts werden Sie auch praktisch in Werkstätten oder Laboratorien ausgebildet.
Der Besuch der Berufsschule ist verpflichtend. Sie besuchen die Berufsschule entweder ein- bis zweimal in der Woche (=ganzjährig) oder über mehrere (zB acht) Wochen geblockt (=Lehrgangsschulen). In letztem Fall sind viele Lehrlinge für die Zeit des Berufsschulbesuches in einem Internat untergebracht. Wie Sie es von Ihrer bisherigen Schullaufbahn gewohnt sind, wird die Berufsschule in Klassen geführt. Bei zB einem dreijährigen Lehrberuf haben Sie drei Klassen Berufsschule zu absolvieren. Als Lehrling besuchen Sie die Berufsschule des Schulsprengels, in dem sich der Lehrbetrieb befindet. Bei Lehrberufen mit wenigen Lehrlingen befindet sich diese Berufsschule unter Umständen in einem anderen Bundesland.
BERUFSWAHL.
WELCHER (LEHR-)BERUF IST DER RICHTIGE FÜR MICH?
Es ist sicher nicht leicht, aus der Vielzahl möglicher (Lehr-)Berufe den passenden auszuwählen. Im ersten Schritt müssen Sie für sich selbst herausfinden, welche Interessen, Neigungen und Begabungen Sie haben. Dabei sollten Sie sich ua. fragen, was Sie sich von Ihrem Beruf erwarten, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen und für welche Bereiche Sie sich sehr bzw. weniger interessieren.
SCHRITT 1: MEINE INTERESSEN UND NEIGUNGEN
- Was mache ich in meiner Freizeit besonders gerne?
- Habe ich ein ganz bestimmtes Hobby, das ich gerne auch einmal in meinem späteren Beruf umsetzten würde?
- Was sind meine Lieblingsfächer in der Schule?
- Bastle ich gerne?
- Lese ich gerne?
- Arbeite ich gerne mit dem Computer?
SCHRITT 2: MEINE WICHTIGSTEN ERWARTUNGEN
- Welche Tätigkeiten würde ich gerne ausüben?
- Mit welchen Materialien würde ich gerne arbeiten?
- Wie möchte ich gerne mit Menschen zusammenarbeiten (mit vielen Kolleginnen/Kollegen, mit Kunden, alleine, …)?
- Auf welchen Arbeitsplätzen würde ich mich wohl fühlen?
SCHRITT 3: MEINE STÄRKEN, BEGABUNGEN, FÄHIGKEITEN
- Wo liegen meine ganz persönlichen Stärken und Fähigkeiten?
- Was kann ich gut?
- Was habe ich bisher bereits erfolgreich erledigt?
- aber auch: Wobei ist es mir bisher nicht so gut ergangen?
SCHRITT 4: ICH LERNE DIE BERUFSWELT KENNEN
Im nächsten Schritt heißt es, so viele Informationen wie möglich über die verschiedenen (Lehr-) Berufe zu sammeln. Nur so können Sie sich bewusst für einen Beruf entscheiden.
Einige Möglichkeiten sich über die Berufswelt zu informieren:
- Sie können im Internet (-> Nützliche Links) und in Zeitschriften suchen
- oder das persönliche Gespräch mit Berufsberatern/-beraterinnen suchen (-> Wichtige Adressen)
- berufskundliche Filme anschauen, um sich Berufe besser vorstellen zu können
- verschiedene Berufe in Betrieben vor Ort erkunden, also eine oder mehrere Schnupperlehren machen.
- Eltern, Verwandte, Bekannte, Freunde, … über ihre Berufe befragen
- in Berufsinformationszentren (-> Wichtige Adressen) können Sie auch Auswahltests machen, die Ihnen Entscheidungshilfen liefern.
SCHRITT 5: ICH SETZE MIR EIN BERUFSZIEL
Ein vorläufiges Ziel stärkt die Motivation sich anzustrengen und auch in der Schule gute Leistungen zu bringen, um den Wunsch auch verwirklichen zu können.
SCHRITT 6: ALTERNATIVEN FINDEN
Es kann auch immer wieder vorkommen, dass Sie keine Lehrstelle in Ihrem Traumberuf finden. Daher ist es für Sie ganz wichtig, dass Sie sich weitere Berufe überlegen, die auch interessant sein könnten. Damit Sie nicht am Schuljahresende plötzlich ohne Lehrstelle da stehen.
SCHRITT 7: VOR- UND NACHTEILE ERKENNEN
Welche Vorteile, welche Nachteile bietet ein bestimmter Ausbildungsplatz? Müssen Sie vielleicht einen weiten Anfahrtsweg zu Ihrem Arbeitsplatz in Kauf nehmen?
SCHRITT 8: EINE ENTSCHEIDUNG TREFFEN
Erst nach all diesen Überlegungen kann eine fundierte Berufsentscheidung getroffen werden. Das ist ein langwieriger und intensiver Prozess. Denken Sie außerdem daran: Berufswahl ist nichts Endgültiges; sich neu orientieren und den bisherigen Weg anpassen wird immer erforderlich sein und in unserer schnelllebigen Welt immer wichtiger. Es geht bei der ersten Berufswahl vor allem einmal darum, einen guten Start zu wählen und die Weichen in die richtige Richtung zu stellen.
SCHRITT 9: LEHRSTELLENSUCHE
Mit der Entscheidung für einen Lehrberuf beginnt der nächste wichtige Schritt: die Lehrstellensuche und Bewerbung um eine Lehrstelle.
LEHRSTELLENSUCHE. WIE FINDE ICH EINE LEHRSTELLE?
Sie finden hier eine Reihe von Tipps, wo und wie Sie nach offenen Lehrstellen suchen können. Es ist hilfreich, immer mehrere Möglichkeiten zu nutzen, weil sich dadurch Ihre Chancen erhöhen. Wichtig ist, mit „offenen Augen“ durch Ihre Umgebung zu gehen. Viele Betriebe schreiben offene Lehrstellen auf Anschlagtafeln in ihren Geschäftsräumen aus.
Und beginnen Sie rechtzeitig mit der Lehrstellensuche: mit dem Halbjahreszeugnis der 4. Klasse Hauptschule oder der Polytechnischen Schule können Sie sich bereits bei Firmen bewerben.
- Lehrstellenbörsen. Alle freien Lehrstellen, die der Wirtschaftskammer oder dem
Arbeitsmarktservice gemeldet werden, finden Sie unter: http://wko.at/lehrstellen oder
http://www.ams.at/lehrstellen
Denken Sie aber daran, dass viele Unternehmen ihren Bedarf nicht über das AMS decken. Nur 30 bis 40 Prozent der Lehrstellen werden über das AMS vermittelt.
Daneben gibt es zahlreiche Lehrstellenbörsen, die sich auf einzelne Bundesländer konzentrieren oder offene Lehrstellen für bestimmte Branchen anbieten.
- Direkt bei den Betrieben nachfragen
Selbst wenn bei einem Betrieb keine freien Lehrstellen ausgeschrieben sind, können Sie trotzdem anrufen und nachfragen. Dadurch zeigen Sie Eigeninitiative und, dass Sie selbstständig und für eine berufliche Ausbildung geeignet sind. Die Telefonnummer finden Sie in den gelben Seiten des Telefonbuches oder auf der Homepage des Unternehmens.
Häufig wird auf der Homepage auch über offene Stellen informiert.
Alle Betriebe, die irgendwann in den letzten drei Jahren Lehrlinge ausgebildet haben, finden Sie unter: http://wko.at/lehrbetriebsuebersicht. Sie können sich bei diesen Firmen um eine Lehrstelle bewerben und bekommen einen sehr guten Überblick, wie viele Ausbildungsplätze prinzipiell vorhanden sind.
- Berufs-Informations-Zentren der Wirtschaftskammern oder des AMS besuchen
Im BIZ bekommen Sie Auskunft, welche Betriebe prinzipiell Lehrlinge ausbilden – was aber nicht unbedingt heißen muss, dass diese auch dieses Jahr Lehrlinge einstellen. Außerdem bieten viele Berufs-Informations-Zentren Hilfestellungen für Bewerbungen an.
- Zeitungsannoncen studieren
In Tageszeitungen, Bezirksblättern, Regionalzeitungen oder Stadtmagazinen finden sich oft Anzeigen über freie Lehrstellen.
- Mit Verwandten, Bekannten und Freunden reden
Oft ist es auch möglich durch Mundpropaganda eine freie Lehrstelle zu bekommen.
- Die Berufspraktischen Tage/Wochen nutzen
Das ist bestimmt die beste Möglichkeit, sich eine freie Lehrstelle zu sichern. Die Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmen die künftigen Lehrlinge mit Hilfe der Schnupperlehre auswählen.
BEWERBUNG UND VORSTELLUNGSGESPRÄCH.
DER ERSTE EINDRUCK ZÄHLT!
In einer Stellenanzeige für einen Lehrplatz ist häufig angegeben, wie Sie sich zu bewerben haben. Ist dem nicht so, dann fragen Sie im jeweiligen Betrieb nach. In kleineren Betrieben kann es durchaus sein, dass Sie direkt an den Chef kommen, der mit Ihnen einen Termin für ein Vorstellungsgespräch vereinbart und Ihnen mitteilt, welche Unterlagen (zB Schulzeugnisse) Sie dazu mitbringen sollen. In allen anderen Fällen bewerben Sie sich schriftlich.
Die schriftliche Bewerbung. Die schriftliche Bewerbung ist der erste Eindruck, den Ihr möglicher Arbeitgeber von Ihnen gewinnt. Da Ihr Ansprechpartner keinen anderen Anhaltspunkt über Ihre Persönlichkeit hat, sind Form und Inhalt der Bewerbung ausschlaggebend für diesen ersten Eindruck. Die Bewerbung wird somit zu Ihrer Visitenkarte. Bei der Zusammenstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen (-> Nützliche Links) müssen Sie einige wichtige Punkte beachten:
- Achten Sie darauf, dass die Bewerbungsunterlagen vollständig, aktuell, sauber und natürlich frei von jeglichen Tipp-, Rechtschreib- und Grammatikfehlern sind.
- Lassen Sie daher alle Unterlagen von Ihren Eltern oder Freunden (evt. auch Lehrern/Lehrerinnen) durchlesen, damit Sie nichts übersehen.
- Kopieren Sie auf keinen Fall einen Musterbrief aus einem Bewerbungsratgeber, sondern vertrauen Sie auf Ihren eigenen Stil.
- Übertreiben Sie aber nicht – weder inhaltlich, noch im Umfang. Weniger ist oft mehr!
Das Vorstellungsgespräch. Wenn der Abgabe von Bewerbungsunterlagen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch folgt, haben Sie bereits eine wichtige Hürde im Bewerbungsverfahren genommen. Um diese Chance auch optimal zu nutzen ist es wichtig, dass Sie sich umfassend auf den Auftritt vorbereiten – das macht sicherer und selbstbewusster.
- Holen Sie einige Informationen über das Unternehmen ein – das Internet kann dabei ein nützlicher Ratgeber sein. Sie können sich aber auch bei Bekannten und Verwandten erkundigen, ob sie Näheres über das Unternehmen wissen.
- Das Vorstellungsgespräch ist ein „offizieller“ Termin. Bedenken Sie dies bitte auch bei der Wahl Ihrer Kleidung. Ausgefranste Jeans und ausgewaschenes T-Shirt sind dafür ungeeignet.
- Pünktlichkeit ist oberstes Gebot! Nehmen Sie sich genügend Zeit, damit Sie nicht abgehetzt oder sogar zu spät kommen.
- Bereiten Sie sich auf den Gesprächstermin gut vor. Sie müssen damit rechnen, dass Sie über Ihre Motive für die Bewerbung, Ihre schulische Ausbildung und über Ihre Erwartungen an den Beruf befragt werden. Wenn Sie sich ein paar Antworten zurechtlegen, sind Sie während des Gesprächs weniger nervös und wirken dadurch sicherer.
ACHTUNG: Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Ihre Bewerbung auch tatsächlich passt oder brauchen Sie Hilfe bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch, wenden Sie sich an ein Berufsinformationszentrum (-> Wichtige Adressen) oder fragen Sie Ihren BO-Lehrer/Ihre BO-Lehrerin. Es gibt auch zahlreiche Bewerbungsratgeber im Internet und in gedruckter Form, die Ihnen mit Tipps zur Seite stehen (-> Nützliche Links).
Bewerbungsratgeber sind immer so verfasst, dass sie für eine große Gruppe unterschiedlicher Menschen und unterschiedlicher Situationen gut geeignet sind. Das bedeutet, dass Sie versuchen müssen, die Informationen und Tipps aus Bewerbungsratgebern immer auf Ihre eigene Situation umzulegen. Ganz besonders gilt das für Musterbewerbungsschreiben und Musterlebensläufe. Diese können Ihnen als Orientierung und Anhaltspunkt dienen, sollten aber auf keinen Fall einfach kopiert werden.
SCHNUPPERLEHRE.
BERUFE RICHTIG KENNEN LERNEN!
Die Schnupperlehre ist ein wichtiger Bestandteil der Berufsorientierung in der Schule. Durch Zuschauen, Fragen stellen und Ausprobieren einfacher, ungefährlicher Tätigkeiten erhalten Sie die Gelegenheit, den jeweiligen Beruf und den Arbeitsalltag im Betrieb kennen zu lernen.
Nützen Sie die Chance der Schnupperlehre:
- Schauen Sie sich bei der Schnupperlehre nur Berufe an, die Sie wirklich interessieren.
- Versuchen Sie bei jeder Schnupperlehre in verschiedenen Berufen zu schnuppern, um dann vergleichen zu können.
- Probieren Sie so viele Tätigkeiten wie möglich aus. Nur durch das eigene Tun kann man wirklich sagen, ob einem die Arbeit Spaß macht und ob man auch dafür geeignet ist.
Die Schnupperlehre bietet einen weiteren großen Vorteil!
Zahlreiche Unternehmen wählen ihre zukünftigen Lehrlinge mit Hilfe der Schnupperlehre aus. Das
heißt also, dass sich durch das Schnuppern die Chance auf einen Lehrplatz deutlich erhöhen
kann.
Adressen von (Lehr-) Betrieben für eine Schnupperlehre erhalten Sie in der Lehrlingsstelle oder in den Berufsinformationszentren in Ihrem Bundesland (-> Wichtige Adressen) oder Sie verwenden die Lehrbetriebsübersicht der Wirtschaftskammer http://wko.at/lehrbetriebsuebersicht.
Es gibt verschiedene Arten von Schnupperlehren:
VARIANTE A:
SCHNUPPERLEHRE ALS SCHULVERANSTALTUNG
(BERUFSPRAKTISCHE WOCHE, BERUFSPRAKTISCHE TAGE)
Für Schüler/-innen unterschiedlicher Schuljahre (8./9./10. Schulbesuchsjahr)
- zeitgleich für alle Schüler/-innen
- mindestens 70 %ige Teilnahme der Klasse
VARIANTE B:
SCHNUPPERLEHRE ALS INDIVIDUELLE BERUFSORIENTIERUNG
Die individuellen Berufsorientierung eröffnet die Möglichkeit einzelnen Schülern und Schülerinnen der 4. Klasse HS/AHS, der 8. und 9. Klasse der Sonderschule und der Polytechnischen Schule zum Zweck der individuellen Berufsorientierung an bis zu 5 Tagen unterrichtsfrei zu haben. Die Erlaubnis ist vom Klassenvorstand nach einer Interessenabwägung von schulischem Lernfortschritt und beruflicher Orientierung zu erteilen. Die Initiative für die individuelle BO muss von den Schülern beziehungsweise von deren Eltern ausgehen.
- nicht zeitgleich für alle Schüler/-innen
- für einzelne Schüler nach Bedarf
Für die Altersgruppen der Variante B ist außerdem eine individuelle Berufsorientierung außerhalb der Unterrichtszeit im Ausmaß von höchstens 15 Tagen pro Betrieb und Kalenderjahr möglich. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung der Eltern und eine geeignete Aufsichtsperson im Betrieb.
MÄDCHEN UND BERUFSWAHL.
MUT ZUR TECHNIK!
Für Mädchen ist die Berufsentscheidung noch vielschichtiger als für Burschen. Oft beziehen Mädchen mögliche spätere Aufgaben als Hausfrau und Mutter schon in ihren Berufswahlprozess mit ein. Immer noch werden dabei Interessen, Neigungen und Fähigkeiten ignoriert, unter der teilweise fälschlichen Annahme, dass traditionelle Frauenberufen leichter mit „einer Hausfrauenrolle“ vereinbar sind. Dabei ermöglichen oft Berufe im technischen Bereich – aufgrund der vielfältigeren Berufsmöglichkeiten und besseren Bezahlung – eine höhere persönliche Flexibilität.
Wie die Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer zeigt, entscheiden sich über 50 % der Mädchen,
die eine Lehrausbildung wählen, für einen der drei Lehrberufe
1. Einzelhandelskauffrau
2. Friseurin und Perückenmacherin (Stylistin)
3. Bürokauffrau,
und auch unter den weiteren TOP TEN Berufen der Mädchen finden sich ausschließlich traditionelle Frauenberufe: Restaurantfachfrau, Hotel- und Gastgewerbeassistentin, Köchin, Blumenbinderin- und händlerin (Floristin), Pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin, Konditorin (Zuckerbäckerin). Im 21. Jahrhundert gibt es aber nicht nur 10 Berufe, sondern viel mehr Möglichkeiten! Übrigens: Auch Burschen sind in ihrer Berufswahl nicht einfallsreicher. Auch sie entscheiden sich überwiegend für wenige traditionelle Lehrberufe.
Mädchen und Technik. Die moderne Arbeitswelt hat für Mädchen sehr viel zu bieten! Handwerkliche und technische Berufe stellen heute keine so außergewöhnliche körperliche Belastung mehr dar wie früher. Häufig wird mit dem Computer oder mit modernen Maschinen und Geräten gearbeitet, die körperlich sehr anspruchsvollen Tätigkeiten sind meist auf ein Minimum reduziert.
Technische Berufe sind außerdem oft besser bezahlt und bieten viele Aufstiegschancen. Interessierte Mädchen sollten deshalb auf jeden Fall den Mut aufbringen sich für einen technischen Beruf zu entscheiden! Bis jetzt zeigt sich, dass nach wie vor Wenige den Schritt in die so genannte männerdominierte Arbeitswelt wagen. Jene Mädchen aber, die eine Ausbildung in einem technischen Beruf absolvieren, sind meist begeistert.
| ausgewählte Lehrberufe | Lehrlinge Gesamt |
Burschen |
Mädchen |
| Informationstechnologie – Technik* | 1.084 |
1.005 |
79 |
| Elektroinstallationstechnik (inkl. mit Prozessleit- und Bustechnik) | 1.294 |
1.283 |
11 |
| Kraftfahrzeugtechnik | 7.119 |
6.996 |
123 |
| Maschinenbautechnik | 4.245 |
4.100 |
145 |
| Mechatronik | 1.042 |
992 |
50 |
| *bis 2006: EDV-TechnikerIn | |||
Im Fordergrund der Berufsentscheidung müssen aber das persönliche Interesse und die Eignung für den jeweiligen Beruf stehen. Der TalentCheck (-> www.talentcheck.org) hilft Mädchen und Frauen dabei, herauszufinden, für welche Berufe abseits der traditionellen Mädchenberufe sie sich interessieren.
NEUE WEGE GEHEN.
MATURA MIT LEHRE – LEHRE MIT MATURA
MATURA MIT LEHRE. DIE BERUFSREIFEPRÜFUNG
Mit der Berufsreifeprüfung (auch Berufsmatura genannt) bietet die Lehre auch für den tertiären
Bildungsweg ein gutes Fundament.
Die Berufsreifeprüfung ist der Reifeprüfung (also der Matura an höheren Schulen) insofern gleichgestellt,
als sie laut Gesetz den allgemeinen Hochschulzugang ermöglicht. Damit berechtigt sie
uneingeschränkt zum Studium an österreichischen Universitäten und Fachhochschulen sowie zum
Besuch von Kollegs und anderen österreichischen Ausbildungen, die eine Reifeprüfung voraussetzen.
Die Berufsreifeprüfung setzt sich aus vier Teilprüfungen zusammen:
- Deutsch,
- Mathematik,
- lebende Fremdsprache und
- Fachbereichsprüfung (entsprechend dem Berufsfeld des Lehrlings)
Der/die Prüfungskandidat/-in darf zur ersten Teilprüfung der Berufsreifeprüfung nicht vor dem 17. Geburtstag, zur letzten Teilprüfung nicht vor dem 19. Geburtstag antreten. Eine Teilprüfung kann bereits vor erfolgreichem Abschluss der Lehre absolviert werden. Bei vierjährigen Lehrberufen darf darüber hinaus im letzten Lehrjahr zu einer weiteren Teilprüfung (in Deutsch, Fremdsprache oder Mathematik) oder in unmittelbarem Anschluss an die Lehrabschlussprüfung zur Fachbereichsprüfung angetreten werden.
Formal ist die Berufsreifeprüfung eine Externistenprüfung an einer höheren Schule. Das Bildungsministerium kann darüber hinaus Vorbereitungslehrgänge an Erwachsenenbildungseinrichtungen als gleichwertig anerkennen, wenn die Ausbildung jener einer höheren Schule entspricht. In solchen Lehrgängen können auch die jeweiligen Teilprüfungen abgelegt werden. Zumindest eine der vier Teilprüfungen muss jedoch an einer höheren Schule absolviert werden.
LEHRE MIT MATURA. VERKÜRZTE LEHRE FÜR MATURANTINNEN UND MATURANTEN
Für Maturantinnen und Maturanten einer Allgemeinbildenden oder Berufsbildenden Höheren Schule eröffnet die Lehre die Chance auf eine praxisorientierte Berufsausbildung in relativ kurzer Zeit. Die Kann-Bestimmung „Verkürzte Lehrzeit für Maturanten“ ermöglicht es, einen Lehrberuf um ein Jahr verkürzt zu absolvieren. Kann-Bestimmung bedeutet allerdings, dass auch der Ausbildungsbetrieb damit einverstanden sein muss, dass die Lehre mit einem Jahr verkürzt abgeschlossen wird. Vor allem AHS-Maturanten und Maturantinnen soll dadurch der Berufseinstieg erleichtert werden.
Voraussetzungen
- Vollendung des 18. Lebensjahres (18. Geburtstag) im Kalenderjahr des Eintritts in die duale Ausbildung
- Wahl eines Lehrberufes mit mindestens dreijähriger Lehrzeit
- allgemeinbildende höhere Schule (AHS) oder berufsbildende höhere Schule (BHS) mit
abgeschlossener Reifeprüfung
Diese Regelung gilt außerdem für Personen die eine mindestens dreijährige berufsbildende mittlere Schule (BMS) oder eine andere Lehre mit Lehrabschlussprüfung erfolgreich abgeschlossen haben.
Verdienstmöglichkeiten. Sie erhalten vom ersten Tag Ihres Lehrverhältnisses an die für den betreffenden Beruf vorgesehene Lehrlingsentschädigung des 2. Lehrjahres und Sie sind sozialversichert.
WICHTIGE FRAGEN.
WAS SIE SONST NOCH ÜBER DIE LEHRE
WISSEN SOLLTEN!
WAS IST EIN LEHRVERTRAG?
Haben Sie eine Lehrstelle gefunden, schließen Sie mit Ihrem Lehrberechtigten (zB dem Chef Ihres Lehrbetriebes) einen schriftlichen Lehrvertrag ab. Der Inhalt des Lehrvertrages ist gesetzlich genau geregelt. Der Lehrvertrag ist die Basis für Ihre Ausbildung als Lehrling. Sind Sie noch nicht volljährig, muss auch Ihr/e gesetzliche/r Vertreter/-in den Lehrvertrag unterschreiben. Dem Lehrvertrag müssen Sie das Schulzeugnis der letzten Klasse beilegen.
BEKOMME ICH GELD VON MEINEM LEHRBETRIEB?
Obwohl beim Lehrverhältnis der Ausbildungszweck im Vordergrund steht, handelt es sich dennoch um ein Arbeitsverhältnis. Sie erhalten für Ihre Leistung im Betrieb daher eine Lehrlingsentschädigung.
Die Höhe der Lehrlingsentschädigung ist meistens im Kollektivvertrag (das ist eine Vereinbarung zwischen Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einer Branche) geregelt. Auch wenn Sie die Berufsschule besuchen, erhalten Sie die Lehrlingsentschädigung weiter. Als Lehrling sind Sie Arbeitnehmer/- in Ihres Lehrbetriebes und daher auch arbeits- und sozialrechtlich geschützt (zB unfall-, kranken-, pensions- und arbeitslosenversichert).
HABE ICH ANSPRUCH AUF URLAUB?
Wie jede/jeder andere Arbeitnehmer/-in haben Sie Anspruch auf Urlaub. Im Regelfall beträgt dieser 25 Tage pro Jahr.
WIE LANGE IST MEINE ARBEITSZEIT?
Die gesetzlich zulässige Tagesarbeitszeit beträgt acht Stunden, die Wochenarbeitszeit höchstens 40 Stunden. Werden in Ihrer Firma zB generell nur 38,5 Stunden pro Woche gearbeitet, so ist auch Ihre Arbeitszeit nicht länger. Überstunden dürfen erst ab Vollendung des 18. Lebensjahres geleistet werden. Die Unterrichtszeit in der Berufsschule wird auf die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit angerechnet.
WIE SCHLIESSE ICH DIE LEHRE AB?
Sie schließen die Lehre mit der Lehrabschlussprüfung ab. Die Lehrabschlussprüfung besteht aus einer praktischen und einer theoretischen Prüfung. Haben Sie die Berufsschule ohne „Nicht genügend“ abgeschlossen, entfällt die theoretische Prüfung. Bei der Lehrabschlussprüfung wird festgestellt, ob Sie das zur Ausübung Ihres Berufes notwendige Know-how erworben haben. Sie legen die Prüfung vor Experten/Expertinnen Ihres Berufes ab.
WAS IST DIE LEHRLINGSSTELLE?
Die Lehrlingsstelle ist Ihre erste Anlaufstelle bei Fragen rund um Ihre Lehrlingsausbildung. In jedem Bundesland gibt es eine Lehrlingsstelle. Die entsprechenden Adressen finden Sie im Adressverzeichnis dieser Broschüre. Bei der Lehrlingsstelle wird Ihr Lehrvertrag protokolliert, dort melden Sie sich auch zur Lehrabschlussprüfung an.
WAS IST EIN AUSBILDUNGSVERBUND?
Ihr Lehrbetrieb verpflichtet sich, Sie in allen im Berufsbild angeführten Fertigkeiten und Kenntnissen auszubilden. In einer hoch spezialisierten Wirtschaft können aber einige Betriebe nicht alle Positionen eines Berufsbildes vermitteln. Damit diese Unternehmen dennoch Lehrlinge ausbilden können, gibt es den Ausbildungsverbund. Dabei werden Ihnen bestimmte Ausbildungsinhalte für Ihren Beruf nicht in Ihrem Lehrbetrieb, sondern in einer anderen Ausbildungseinrichtung (zB einem anderen Betrieb) vermittelt.

